Zugprüfmaschine mit eingespannter Metallprobe und digitaler Erfassung der Spannungs-Dehnungs-Kurve
Maximalkraft, Anfangsquerschnitt und Kurvenverlauf sauber erfassen – oder die lokale Festigkeit direkt in einer Bauteilzone vergleichen.

Prüfdienstleistung · Festigkeitskennwerte

Zugfestigkeit bestimmen

Die Zugfestigkeit Rm ist die höchste technische Spannung im Zugversuch. Testawell strukturiert den passenden Prüfweg: globaler Referenzwert an einer Zugprobe, werkstoffgebundene Härteumwertung oder lokale Vergleichszugfestigkeit mit dem i3D®-Eindruckverfahren.

Was ist die Zugfestigkeit Rm?

Die Zugfestigkeit Rm, teilweise auch Reißfestigkeit genannt, beschreibt die größte technische Zugspannung, die eine Probe im Zugversuch erreicht. Sie ist ein zentraler Kennwert für Werkstoffvergleich, Konstruktion, Qualitätssicherung, Chargenbewertung und Werkstoffentwicklung. Ein hoher Rm-Wert bedeutet jedoch nicht automatisch hohe Duktilität oder ausreichende Sicherheit für jede Bauteilfunktion.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Streck- beziehungsweise Dehngrenze: Eine Probe kann sich bereits dauerhaft plastisch verformen, bevor die maximale Spannung erreicht wird. Rm beschreibt deshalb nicht den Beginn plastischer Verformung, sondern den Maximalpunkt der technischen Spannungs-Dehnungs-Kurve.

Wie wird die Zugfestigkeit berechnet?

Zur Berechnung wird die größte im Versuch gemessene Zugkraft Fm durch den ursprünglichen Probenquerschnitt S0 geteilt:

Rm = Fm / S0

Größe Bedeutung Typische Einheit
Rm Zugfestigkeit als maximale technische Spannung MPa oder N/mm²
Fm größte während des Zugversuchs gemessene Kraft N
S0 Anfangsquerschnitt der unbelasteten Probe mm²

Da 1 N/mm² genau 1 MPa entspricht, können beide Einheiten gleichwertig verwendet werden. Entscheidend ist, dass S0 vor dem Versuch korrekt bestimmt wird. Die lokale Einschnürung nach Erreichen von Fm verändert den realen Querschnitt, nicht aber die Bezugsfläche der technischen Zugfestigkeit.

Spannungs-Dehnungs-Diagramm mehrerer Zugversuche mit dem Maximum der Zugfestigkeit Rm
Rm liegt am höchsten Punkt der technischen Spannungs-Dehnungs-Kurve. Streck- und Dehngrenze werden bereits früher im Kurvenverlauf erreicht.

Wie wird die Zugfestigkeit im Zugversuch bestimmt?

Für metallische Werkstoffe bei Raumtemperatur ist häufig DIN EN ISO 6892-1 maßgeblich. Die konkrete Norm richtet sich jedoch nach Werkstoffgruppe, Probenform, Temperatur und Auftrag. Eine definierte Probe wird möglichst axial, biegungs- und schlupfarm eingespannt. Während der Belastung werden Kraft und Längenänderung kontinuierlich aufgezeichnet.

  1. Probe festlegen: Werkstoffzustand, Entnahmerichtung, Geometrie und Anfangsquerschnitt dokumentieren.
  2. Prüfaufbau einrichten: Probe ausrichten, geeignete Spannzeuge und bei Bedarf ein Extensometer auswählen.
  3. Kontrolliert belasten: Kraft beziehungsweise Dehnung mit der vorgegebenen Prüfgeschwindigkeit bis zum Bruch erfassen.
  4. Kurve auswerten: Fm bestimmen, durch S0 teilen und Rm zusammen mit weiteren Kennwerten berichten.

Neben Rm liefert der Zugversuch je nach Werkstoff und Messausstattung beispielsweise ReH, ReL, Rp0,2, Bruchdehnung A und Brucheinschnürung Z. Erst diese Kombination beschreibt Festigkeit und Verformungsvermögen belastbar.

Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchfestigkeit richtig unterscheiden

Kennwert Aussage Lage im Versuch
ReH / ReL Obere und untere Streckgrenze bei ausgeprägtem Fließbeginn Beginn beziehungsweise Bereich bleibender Verformung
Rp0,2 Dehngrenze bei vereinbarter bleibender Dehnung von 0,2 % Ersatzkennwert bei nicht ausgeprägter Streckgrenze
Rm Höchste auf S0 bezogene technische Zugspannung Maximum der technischen Spannungs-Dehnungs-Kurve
Bruchspannung Auf eine festgelegte Bezugsfläche bezogene Spannung beim Bruch Ende des Versuchs; nicht automatisch identisch mit Rm

Die Begriffe dürfen in Spezifikationen und Prüfberichten nicht austauschbar verwendet werden. Für die konstruktive Auslegung ist häufig die Grenze gegen bleibende Verformung entscheidend, während Rm das maximal erreichte technische Spannungsniveau beschreibt.

Dreidimensionale Topografie eines Prüfeindrucks mit plastischem Materialaufwurf zur lokalen Festigkeitsauswertung

Lokale Festigkeitskennwerte

Vergleichszugfestigkeit mit dem i3D®-Eindruckverfahren bestimmen

Wenn keine geeignete Zugprobe entnommen werden kann oder eine kleine Zone direkt am Bauteil bewertet werden soll, kann das Eindruckverfahren nach DIN SPEC 4864 eine lokale Vergleichszugfestigkeit liefern. Ein definierter Prüfeindruck wird dreidimensional vermessen; seine Topografie und der plastische Materialaufwurf werden mit einem inversen Finite-Elemente-Modell abgeglichen.

Das Ergebnis wird als eindruckbasierter Vergleichskennwert RIm gekennzeichnet. Er eignet sich besonders für Schweißnähte, Wärmeeinflusszonen, Festigkeitsgradienten, additive Werkstoffe, kleine Bauteile und räumliche Messraster. Die Übertragbarkeit auf Rm aus dem Zugversuch muss für Werkstoff, Zustand und Aufgabenstellung bewertet werden.

Validierungsdaten ansehen

Welcher Prüfweg passt zur Bestimmung der Zugfestigkeit?

Prüfweg Ergebnis Typischer Einsatz Wichtige Grenze
Zugversuch Rm und weitere globale Zugkennwerte Normnachweis, Referenzwert, Material- und Chargenvergleich Geeignete, definierte Zugprobe erforderlich
Härteumwertung Empirisch abgeleitete Abschätzung der Zugfestigkeit Schnelle Orientierung bei geeigneter Werkstoffgruppe und bekanntem Zustand Werkstoffabhängigkeit, Tabellenzuordnung und Streuung beachten
i3D-Eindruckverfahren Lokale Vergleichszugfestigkeit RIm und plastische Fließkurve Reale Bauteilzonen, Gradienten, Schweißnähte und Messraster Anwendbarkeit und Validierung aufgabenbezogen prüfen

Warum reichen allgemeine Tabellenwerte nicht aus?

Die Zugfestigkeit hängt nicht nur von der Werkstoffbezeichnung ab. Legierungszusammensetzung, Wärmebehandlung, Umformgrad, Herstellroute, Probenrichtung, Temperatur, Prüfgeschwindigkeit, Gefüge, Porosität und lokale Prozesshistorie können Rm deutlich verändern. Tabellenwerte eignen sich deshalb zur Orientierung, ersetzen aber keinen Nachweis am tatsächlich vorliegenden Werkstoffzustand.

Bei Schweißverbindungen, additiv gefertigten Bauteilen und gradierten Werkstoffen kann ein einzelner globaler Wert zudem lokale Schwach- oder Festzonen überdecken. Hier ist häufig ein kombinierter Prüfplan aus wenigen Zugversuchsreferenzen und vielen lokalen Eindrücken besonders aussagekräftig.

Welche Angaben werden für eine Prüfung benötigt?

  • Werkstoffbezeichnung, Lieferzustand, Wärmebehandlung und Herstellprozess
  • Bauteil- oder Probengeometrie, Abmessungen und verfügbare Materialmenge
  • relevante Richtung und Zone, beispielsweise Grundwerkstoff, Naht, WEZ oder Gradient
  • benötigter Kennwert: Rm, RIm, Rp0,2, Bruchdehnung oder Fließkurve
  • anzuwendende Norm, Spezifikation und gewünschter Nachweischarakter
  • Anzahl der Proben beziehungsweise Prüfpunkte und gewünschte Dokumentation

Auf dieser Basis lässt sich entscheiden, ob ein klassischer Zugversuch, eine lokale i3D-Prüfung, eine Härteumwertung oder ein kombinierter Prüfplan sinnvoll ist.

Zugfestigkeit vertiefen und den Prüfweg auswählen

Metallische Zugprobe in einer Zugprüfmaschine

Globale Referenz

Zugversuch

Ablauf, Probenvorbereitung und weitere Kennwerte der klassischen Zugprüfung.

Brinell-Härteeindruck als Grundlage einer werkstoffabhängigen Härteumwertung

Werkstoffgebundene Abschätzung

Härte zu Zugfestigkeit

Anwendungsbereich und Grenzen der Umwertung nach DIN EN ISO 18265.

Dreidimensional vermessener Eindruck zur lokalen Ermittlung von Festigkeitskennwerten

Lokaler Vergleichswert

i3D-Eindruckverfahren

Räumlich aufgelöste Vergleichszugfestigkeit aus Prüfeindruck und inverser Auswertung.

Normen und fachliche Einordnung

Für metallische Werkstoffe bei Raumtemperatur ist DIN EN ISO 6892-1 eine zentrale Grundlage des Zugversuchs. Weitere Werkstoffgruppen und Randbedingungen besitzen eigene Prüfstandards. Die Umwertung von Härtewerten wird in DIN EN ISO 18265 behandelt. Für eindruckbasierte Fließkurven und Vergleichskennwerte ist DIN SPEC 4864 relevant. Maßgeblich bleiben stets die im konkreten Auftrag vereinbarte Normausgabe, Produktspezifikation und Kundenvorgabe.

Häufige Fragen zur Bestimmung der Zugfestigkeit

Was bedeutet Zugfestigkeit Rm?

Die Zugfestigkeit Rm ist die höchste technische Zugspannung, die im Zugversuch erreicht wird. Sie beschreibt den Maximalpunkt der auf den Anfangsquerschnitt bezogenen Spannungs-Dehnungs-Kurve und ist nicht mit Streckgrenze, Dehngrenze oder Bruchspannung gleichzusetzen.

Wie wird die Zugfestigkeit berechnet?

Die Zugfestigkeit wird aus der größten während des Zugversuchs gemessenen Kraft Fm und dem ursprünglichen Probenquerschnitt S0 berechnet: Rm = Fm / S0. Das Ergebnis wird üblicherweise in MPa beziehungsweise N/mm² angegeben.

Wie wird die Zugfestigkeit im Zugversuch bestimmt?

Eine definierte Probe wird axial und mit geregelter Prüfgeschwindigkeit belastet. Kraft und Längenänderung werden kontinuierlich erfasst. Aus Kraft und Anfangsquerschnitt entsteht die technische Spannung; ihr höchster Wert ist Rm. Für Metalle bei Raumtemperatur ist häufig DIN EN ISO 6892-1 maßgeblich.

Was ist der Unterschied zwischen Zugfestigkeit und Streckgrenze?

Streckgrenze beziehungsweise Dehngrenze kennzeichnen den Beginn bleibender plastischer Verformung. Die Zugfestigkeit wird später am Maximum der technischen Spannung erreicht. Ein Bauteil kann sich daher bereits dauerhaft verformen, bevor Rm erreicht ist.

Kann man Zugfestigkeit aus der Härte bestimmen?

DIN EN ISO 18265 enthält für bestimmte Werkstoffgruppen Umwertungsbeziehungen zwischen Härte und Zugfestigkeit. Das Ergebnis ist eine werkstoff- und zustandsabhängige Abschätzung mit Streuung und kein universeller Ersatz für einen geforderten Zugversuch.

Kann die Zugfestigkeit lokal ohne Zugprobe bestimmt werden?

Das i3D-Eindruckverfahren kann aus einem definierten Prüfeindruck, seiner 3D-Topografie und einem inversen FE-Modell eine lokale Vergleichszugfestigkeit R mit hochgestelltem I ableiten. Der Vergleichskennwert ist eindeutig als eindruckbasiert zu kennzeichnen und ersetzt einen normativ geforderten Zugversuch nicht automatisch.

Welche Angaben benötigt Testawell für die Prüfplanung?

Benötigt werden Werkstoff und Zustand, Bauteil- oder Probengeometrie, relevante Prüfzone, erwarteter Festigkeitsbereich, Norm- oder Kundenvorgabe, verfügbare Probenmenge und die Frage, ob ein globaler Referenzwert oder eine lokale Festigkeitskarte benötigt wird.

Ansprechpartner

Peter Zok unterstützt bei der Auswahl zwischen globalem Zugversuch, lokaler i3D-Prüfung, Härteumwertung und kombiniertem Validierungsplan.

Peter Zok

Peter Zok

Applications – Materials Testing

Testawell

15 Jahre Erfahrung im Bereich Werkstoffprüfung.

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Zugfestigkeit am passenden Probenzustand bestimmen

Beschreiben Sie Werkstoff, Bauteilzone, Probenverfügbarkeit und Normvorgabe. Wir strukturieren den geeigneten Prüfweg.