Zugversuch oder i3D-Eindruckverfahren: Welcher Prüfweg passt?
Die Methoden beantworten unterschiedliche räumliche und normative Fragen. Deshalb sollte die Wahl
vom benötigten Ergebnis und nicht allein von der kürzeren Prüfzeit ausgehen.
| Auswahlkriterium |
Zugversuch |
i3D-Eindruckverfahren |
| Ergebnischarakter |
Globaler Kennwert einer definierten Zugprobe. |
Lokaler Vergleichskennwert aus einer kleinen Bauteilzone. |
| Dehngrenze |
Rp0,2 nach der anwendbaren Zugprüfnorm. |
Vergleichsdehngrenze RIp0,2 nach DIN SPEC 4864. |
| Probe |
Definierte Probengeometrie und Entnahmerichtung erforderlich. |
Prüfung auf geeigneter, vorbereiteter Oberfläche; keine Standardzugprobe nötig. |
| Ortsauflösung |
Über das beanspruchte Probenvolumen gemitteltes Verhalten. |
Geeignet für Messpunkte, Raster, Gradienten und kleine Zonen. |
| Zusätzliche Aussagen |
Auch Bruchdehnung, Einschnürung und Verhalten bis zum Bruch. |
Plastische Fließkurve und lokale Festigkeitsverteilung; keine Bruchdehnung aus derselben Prüfung. |
| Typischer Einsatz |
Normnachweis, Werkstoffabnahme, globale Referenz und Validierung. |
Schweißnaht, WEZ, additive Struktur, reales Bauteil, Screening und Mapping. |
Wann ersetzt der lokale Eindruck den Zugversuch nicht?
Das i3D-Verfahren ist keine pauschale Freigabe, einen vertraglich oder normativ geforderten
Zugversuch wegzulassen. Auch wenn Bruchdehnung, Einschnürung, ausgeprägtes Lüdersverhalten,
Richtungsabhängigkeit oder das Verhalten einer vollständigen Standardprobe benötigt werden, bleibt
der Zugversuch erforderlich. Umgekehrt kann eine Zugprobe lokale Unterschiede in einer schmalen
Wärmeeinflusszone oder über einen Werkstoffgradienten mitteln und damit die relevante Stelle nicht
ausreichend auflösen.
Auch die Anwendbarkeit von DIN SPEC 4864 ist werkstoff- und probenspezifisch zu prüfen. Das
Regelwerk setzt unter anderem plastische Verformbarkeit und einen auswertbaren Materialaufwurf voraus;
Korngröße, Porosität, Graphitanteile sowie Unterschiede zwischen Zug- und Druckverhalten können die
Auswertung begrenzen oder eine gesonderte Kalibrierung erforderlich machen.
In vielen Projekten ist daher eine kombinierte Strategie sinnvoll: wenige
Zugversuche als Referenz und Validierung, ergänzt durch viele lokale i3D-Prüfpunkte zur räumlichen
Einordnung von Bauteil, Prozess oder Werkstoffzustand.
Welche Angaben braucht Testawell für die Prüfplanung?
- Werkstoff, Lieferzustand, Wärmebehandlung und erwarteter Festigkeitsbereich
- Bauteil, Probenform, Abmessungen und verfügbare Materialmenge
- relevante Zone: Grundwerkstoff, Schweißnaht, WEZ, Übergang, Oberfläche oder Volumen
- gesuchter Kennwert: ReH, ReL, Rp0,2, Rm, Fließkurve oder räumlicher Verlauf
- anzuwendende Norm, Kundenvorschrift und geforderter Nachweischarakter
- Anzahl der Proben oder Prüfpunkte sowie gewünschter Vergleichs- und Dokumentationsumfang
Aus diesen Informationen lässt sich festlegen, ob Zugversuch, i3D-Eindruckverfahren oder ein
kombinierter Prüfplan die technisch sauberste und wirtschaftlichste Lösung ist.