Illustration von vier geschweißten Stahlproben zum Vergleich unterschiedlicher Schweißvarianten
Illustration zum Vergleich von Schweißvarianten; keine Originalproben oder Abbildungen aus der S460M-Studie.

Anwendungsbeispiel · Forschung zu S460M

Lokale Festigkeit einer S460M-Schweißnaht

Wie lassen sich Schweißprozesse anhand der örtlichen Werkstoffeigenschaften vergleichen? Ein Forschungsbeispiel und seine Bedeutung für die Prüfung von Schweißgut, Wärmeeinflusszone und Grundwerkstoff.

Die praktische Frage: Wo beginnt die Verbindung nachzugeben?

Bei einer Schweißverbindung interessiert nicht nur, welche Last die gesamte Probe trägt. Für die Entwicklung kann entscheidend sein, welcher Bereich zuerst bleibend nachgibt und wie sich benachbarte Bereiche anschließend verformen. Dafür müssen Messorte und mechanische Eigenschaften zusammen betrachtet werden.

Gerade in einer schmalen Wärmeeinflusszone ist die Entnahme einer geeigneten Zugprobe eine zusätzliche Aufgabe. Ein lokaler Eindruck bietet einen anderen Zugang: Der Werkstoff wird an einer ausgewählten Stelle belastet und sein plastisches Verhalten modellbasiert ausgewertet.

Was wurde an S460M untersucht?

Verglichen wurden vier Schweißvarianten an S460M. Mit dem Imprintec-Eindringkörper Typ A wurden Eindrücke in drei Reihen mit je 20 Punkten bei 0,5 mm Abstand erzeugt. Die bleibenden Prüfeindrücke wurden optisch in 3D vermessen und mittels inverser Finite-Elemente-Analyse ausgewertet. Ergänzend erfolgten Härteprüfungen sowie Zugvergleiche an Schweißgut und Grundwerkstoff. Zur Originalarbeit und Methodenangabe.

Was zeigte die lokale Auswertung?

PC-GMAW-F, das Metall-Schutzgasschweißen mit gepulstem Strom im forcierten Modus, zeigte gleichmäßiger verteilte lokale Vergleichsfestigkeiten. Auch Härte und Festigkeit standen in Zusammenhang. Die Varianten unterschieden sich zudem in der Nahtvorbereitung. Befunde in Abschnitt 3.2 der Veröffentlichung.

Veröffentlichte AngabeBedeutung für die Einordnung
Vier SchweißvariantenDie Studie ist ein Prozessvergleich unter den dort beschriebenen Werkstoff-, Naht- und Prüfbedingungen.
Drei Reihen mit je 20 EindrückenDie Kennwerte wurden örtlich über den Querschliff verteilt und nicht nur als einzelner Mittelwert betrachtet.
0,5 mm PunktabstandDer Abstand beschreibt das Raster der Studie, nicht eine garantierte räumliche Auflösung der Methode.
PC-GMAW-F mit gleichmäßiger verteilten VergleichsfestigkeitenDie Verteilung lokaler Kennwerte kann Prozessunterschiede sichtbar machen; Gleichmäßigkeit allein ist kein allgemeines Gütesiegel.
Zusammenhang zwischen Härte und FestigkeitDer Befund gilt für die untersuchten Zustände und ist keine universelle Umrechnungsbeziehung für jede Schweißzone.

Für eine praktische Bewertung folgt daraus: Es lohnt sich, die Verteilung der Kennwerte zu vergleichen. Eine mittlere Festigkeit allein sagt nicht, ob starke örtliche Unterschiede bestehen. Gleichmäßigere Kennwerte sind zugleich kein allgemeines Gütesiegel; welche Verteilung erwünscht ist, hängt von Konstruktion und Belastung ab.

Wie sind die Kennwerte zu verstehen?

  • Vergleichsdehngrenze Rip0,2: ein aus der Eindruckauswertung abgeleiteter Vergleichswert zur 0,2-%-Dehngrenze im Zugversuch.
  • Vergleichszugfestigkeit Rim: ein modellbasiert bestimmter Vergleichswert zur Zugfestigkeit.
  • Lokale Fließkurve: sie beschreibt, wie sich die benötigte Spannung mit zunehmender plastischer, also bleibender Verformung verändert.

Die Verbindung von mechanischer Eindruckprüfung, optischer 3D-Vermessung der bleibenden Prüfeindrücke und Werkstoffmodell ist in DIN SPEC 4864 beschrieben. Die Bezeichnung „Vergleichskennwert“ macht den unterschiedlichen Ermittlungsweg zum Zugversuch deutlich.

Wann hilft die Härteprüfung zusätzlich?

Ein Härteprofil ist sinnvoll, wenn Aufhärtung oder Erweichung entlang der Naht beurteilt werden soll. Eine Umwertung in Zugfestigkeit setzt jedoch voraus, dass Werkstoff und Zustand zur verwendeten Beziehung passen. Die Grenzen solcher Umwertungen behandelt ISO 18265.

Wer zusätzlich wissen möchte, wie ein Bereich bei fortschreitender plastischer Verformung reagiert, benötigt mehr als eine Härtezahl. Für diese Aufgaben erläutern wir die Härteprüfung an Schweißnähten und die ergänzende lokale Eindruckauswertung.

Was bedeutet das für eine eigene Prüfaufgabe?

Aus dem Fall leiten wir für die Prüfplanung drei konkrete Fragen ab:

  1. Prozessvergleich: An welchen vergleichbaren Stellen sollen zwei Schweißvarianten gegenübergestellt werden?
  2. Lokaler Übergang: Werden ein Härteprofil, Festigkeitskennwerte oder der Verlauf plastischer Verformung benötigt?
  3. Berechnung: Für welche Nahtbereiche braucht das Materialmodell eigene Daten, und welcher Dehnungsbereich ist relevant?

Das Ergebnis sollte deshalb immer mit den Messorten verbunden sein. Eine Kurve ohne Zuordnung zur Probe beantwortet noch nicht, welchen Bereich der Schweißverbindung sie beschreibt.

Welche Grenzen müssen berücksichtigt werden?

Bei schmalen Zonen ist das mechanisch beanspruchte Prüfvolumen entscheidend. Der genannte Rasterabstand belegt keine Ortsauflösung von 0,5 mm. Vor einem Messplan sind daher Zonenbreite, Gefüge, Oberfläche und Abstand zu Übergängen zu prüfen.

Die Auswertung erfordert ein geeignetes Werkstoffmodell. Aus einer lokalen plastischen Fließkurve lassen sich weder Bruchdehnung noch Rissfreiheit oder Ermüdungslebensdauer ableiten. Entsprechende Grenzen benennt auch ASTM E3499-25. Vorgeschriebene Abnahme- oder Qualifikationsprüfungen sind gesondert zu planen.

Ihre Schweißnaht als nächster Anwendungsfall

Nennen Sie uns Werkstoff, Schweißverfahren, Probenabmessungen und die gewünschte Aussage. Ein Foto oder eine Skizze hilft, die relevanten Zonen festzulegen. Anschließend besprechen wir, welche lokale Prüfung zur Aufgabe passt.

Zur Leistung: lokale Schweißnahtprüfung und Spannungs-Dehnungskurven

Publikation und Datenherkunft

Die Angabe zum verwendeten Imprintec-Eindringkörper Typ A beruht auf einer ergänzenden Klarstellung durch Mitautor Peter Zok.

Die Forschungsarbeit entstand unter Mitwirkung des E. O. Paton Electric Welding Institute der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine.

A. Zavdoveev, P. Zok, V. Pozniakov und Mitautoren: Effect of Pulse Current GMAW on the Yield Stress of the S460M TMCP Steel Welded Joints. Metals and Materials International 29, 795–806 (2023), online seit 26. Juli 2022. DOI: 10.1007/s12540-022-01261-1.

Peter Zok ist Mitautor der Originalarbeit. Dieser Beitrag ordnet ausgewählte veröffentlichte Befunde für die Prüfplanung ein. Versuchsbedingungen und Originaldiagramme finden Sie im von einem Mitautor bereitgestellten Volltext. Praxisempfehlungen auf dieser Seite sind unsere fachliche Einordnung.

Autoren · Mitwirkende

Testawell Redaktion, Peter Zok

Stand:

Peter Zok

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Applications – Materials Testing

Testawell

15 Jahre Erfahrung im Bereich Werkstoffprüfung.

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