Mobile mechanische Werkstoffprüfung direkt am Bauteil
Lokale mechanische Eigenschaften an großen, eingebauten oder schwer beprobbaren Komponenten erfassen –
mit klarer Machbarkeitsprüfung, definierten Messstellen und dokumentierten Randbedingungen.
Mobile mechanische Werkstoffprüfung verlagert die Messung vom Labor an das Bauteil. Statt eine
genormte Probe aus einer Rohrleitung, einer Stahlkonstruktion oder einem großen Aggregat zu entnehmen,
wird eine zugängliche Messzone vor Ort vorbereitet und unter kontrollierten Bedingungen geprüft.
Das ist besonders relevant, wenn Materialentnahme die Funktion beeinträchtigen würde, das Bauteil
nicht transportierbar ist oder lokale Unterschiede wichtiger sind als ein globaler Mittelwert.
Testawell verbindet die Auswahl der Messstellen mit einer dokumentierten Prüf- und Auswertelogik.
Lokale Kennwerte statt pauschaler Materialannahmen
Das i3D®-Eindruckverfahren kann bei geeigneten
metallischen Werkstoffen lokale plastische Spannungs-Dehnungs-Kurven sowie eindruckbasierte
Vergleichskennwerte für Dehngrenze und Zugfestigkeit liefern. Mehrere Messpunkte machen Unterschiede
zwischen Grundwerkstoff, Wärmeeinflusszone, Reparaturbereich oder unbekannter Bauteilzone sichtbar.
lokale Vergleichsdehngrenze RIp0,2 und Vergleichszugfestigkeit RIm
plastische Fließkurven für geeignete Werkstoffe und Auswertemodelle
Profile, Raster und Streuungen über Bauteil- oder Schweißzonen
fotografisch und geometrisch dokumentierte Messpositionen
Von der Bauteilfrage zum dokumentierten Messergebnis
01
Machbarkeit klären
Werkstoff, Wanddicke, Krümmung, Zugang, Temperatur, Vibration und zulässiger Oberflächeneingriff werden bewertet.
02
Messstellen definieren
Referenzzonen, lokale Auffälligkeiten, Schweißbereiche und Wiederholungen werden in einem nachvollziehbaren Messplan festgelegt.
03
Vor Ort prüfen
Die Oberfläche wird lokal vorbereitet, die Prüfeinheit stabil positioniert und jede Messung mit ihren Randbedingungen protokolliert.
04
Daten einordnen
Ergebnisse, Streuung, Gültigkeitsgrenzen und mögliche Validierungsschritte werden in einem projektspezifischen Bericht zusammengeführt.
Wo mobile mechanische Prüfung besonders sinnvoll ist
Mobile Prüfungen sind kein Selbstzweck. Sie schaffen dann einen Mehrwert, wenn die reale Position,
der lokale Materialzustand oder die eingeschränkte Probenentnahme für die Entscheidung entscheidend ist.
Stahlbau, Brückenkomponenten und tragende Konstruktionen
Rohrleitungen, Druckgeräte und großformatige Anlagenkomponenten
Schweißnähte, Wärmeeinflusszonen und lokale Reparaturbereiche
große Guss-, Schmiede- und additiv gefertigte Bauteile
Schadensanalyse und Materialverifikation ohne entnehmbare Zugprobe
Welche Randbedingungen müssen stimmen?
Für quantitative Kennwerte müssen Prüfkopf, Bauteil und Umgebung als Gesamtsystem betrachtet werden.
Testawell prüft deshalb vor einer Kampagne, ob die Fragestellung mit der verfügbaren Zugänglichkeit und
dem erwarteten Werkstoffverhalten belastbar beantwortet werden kann.
ausreichende lokale Bauteildicke, Masse und Steifigkeit
geeignete Krümmung und Platz für Prüfeinheit und Oberflächenvorbereitung
kontrollierbare Vibration, Temperatur und Umgebungsbedingungen
bekannte oder sinnvoll eingrenzbare Werkstoffgruppe
Dokumentation von Eigenspannungen, Gradienten und Beschichtungen
Mobile Eindruckprüfung, mobile Härteprüfung oder Zugprobe?
Die passende Methode richtet sich nach der benötigten Aussage und danach, welcher Eingriff am Bauteil zulässig ist.
Entscheidungskriterium
Mobile Eindruckprüfung
Mobile Härteprüfung
Entnommene Zugprobe
Primäre Aussage
lokale plastische Antwort und Vergleichsfestigkeitskennwerte
Modell-, Werkstoff- und Randbedingungseignung prüfen
Umwertung in Festigkeit nur mit belastbarer Korrelation
lokale Zonen können durch die Probengröße gemittelt werden
Vertiefende Anwendungen und Methoden
Methode
Eindruckverfahren
Von der definierten Belastung über die 3D-Topografie zur inversen Auswertung lokaler Werkstoffkennwerte.
Lokale Zone
Schweißnähte & WEZ
Grundwerkstoff, Naht und Wärmeeinflusszone mit einer passenden Messpunktfolge getrennt bewerten.
Messprofil
Gradienten & Übergänge
Lokale Eigenschaftsänderungen über Reparaturen, Beschichtungen und thermisch beeinflusste Zonen verfolgen.
Auswertung
FEM-Materialdaten
Lokale Werkstoffantwort für die simulationsgestützte Bewertung aufbereiten und Grenzen transparent dokumentieren.
Häufige Fragen zur mobilen mechanischen Werkstoffprüfung
Was bedeutet mobile mechanische Werkstoffprüfung?
Mobile mechanische Werkstoffprüfung bezeichnet die Prüfung direkt an einem eingebauten, großen oder schwer beprobbaren Bauteil. Messstelle, Oberflächenzustand, Zugänglichkeit und Umgebungsbedingungen werden dabei in die Prüfplanung einbezogen.
Welche Kennwerte lassen sich mobil mit dem Eindruckverfahren bestimmen?
Bei geeigneten metallischen Werkstoffen können lokale plastische Fließkurven sowie eindruckbasierte Vergleichskennwerte für Dehngrenze und Zugfestigkeit bestimmt werden. Die quantitative Eignung wird vorab anhand von Werkstoff, Geometrie und Messbedingungen geprüft.
Ist die mobile Eindruckprüfung zerstörungsfrei?
Der Prüfeindruck bleibt lokal in der Oberfläche zurück. Das Verfahren ist deshalb als minimalinvasiv oder zerstörungsarm einzuordnen, nicht pauschal als zerstörungsfrei. Ob der verbleibende Eindruck für das Bauteil zulässig ist, muss projektspezifisch bewertet werden.
Welche Bauteile eignen sich für eine mobile Prüfung?
Typische Kandidaten sind Stahlkonstruktionen, Rohrleitungen, Druckgeräte, große Guss- und Schmiedeteile, Schweiß- und Reparaturzonen sowie Bauteile, aus denen keine Zugprobe entnommen werden kann. Entscheidend sind ausreichende Zugänglichkeit, lokale Steifigkeit und eine vorbereitbare Oberfläche.
Ersetzt die mobile mechanische Werkstoffprüfung den Zugversuch?
Nicht generell. Die mobile lokale Prüfung kann wichtige Daten liefern, wenn eine Probenentnahme unpraktisch oder unzulässig ist. Normativ geforderte globale Zugkennwerte, Bruchdehnung, Anisotropie oder Verhalten bis zum Bruch können weiterhin Zug- oder Spezialprüfungen erfordern.
Welche Angaben benötigt Testawell für eine erste Machbarkeitsprüfung?
Hilfreich sind Werkstoff beziehungsweise Werkstoffgruppe, Bauteilart, Wanddicke, Krümmung, Zugang zur Messstelle, Oberflächenzustand, Temperatur, erwartete Vibrationen, gewünschte Kennwerte und die Fragestellung, die mit den Daten beantwortet werden soll.