Lokale i3D-Kennwerte mit einer Zugversuchsreferenz vergleichen und technisch richtig einordnen.
Fachbeitrag · i3D Praxis · S355
How to use i3D® Testing Technology im Vergleich mit Zugversuchen
Ein Praxisbeispiel an S355 zeigt, wie lokale Dehngrenze und Zugfestigkeit aus mehreren
Prüfeindrücken bestimmt und anschließend mit klassischen Zugversuchswerten verglichen werden.
Was wurde bei S355 miteinander verglichen?
Im zugrunde liegenden Praxisbeispiel wurde Baustahl S355 zunächst mit einem klassischen Zugversuch
charakterisiert. Anschließend wurden drei lokale Messpunkte mit der
i3D® Testing Technology geprüft. Jeder Messpunkt erzeugt
einen definierten Prüfeindruck und eine lokal abgeleitete plastische Spannungs-Dehnungs-Kurve.
Ziel ist nicht, zwei identische Prüfungen zu behaupten. Der Zugversuch liefert eine globale Aussage über
eine genormte Probe; das i3D-Eindruckverfahren liefert eine lokale Aussage für die tatsächlich geprüfte
Werkstoffzone. Verglichen werden deshalb die korrespondierenden Festigkeitskennwerte und ihre technische Nähe.
Testawell-Fassung des originalen S355-Vergleichsvideos mit animiertem Markenintro, drei lokalen
Prüfpunkten, Berechnungen und Zugversuchsreferenz. Die englische Tonspur ist enthalten; deutsche
Untertitel sind voreingestellt.
Welche Ergebnisse wurden im S355-Beispiel erreicht?
Der veröffentlichte Vergleich nennt folgende Werte:
Kennwert
Zugversuch
i3D-Eindruck
Relative Abweichung
Dehngrenze
310 MPa
287 MPa
7,4 %
Zugfestigkeit
520 MPa
494 MPa
5,0 %
Im konkreten Versuch lagen beide lokalen i3D-Vergleichswerte nahe an der Zugversuchsreferenz.
Diese Einzelmessung ist ein anschaulicher Anwendungsfall, ersetzt aber keine werkstoffübergreifende
Validierung oder die Prüfung der Randbedingungen einer neuen Messaufgabe.
Originaldaten und Prüfberichte herunterladen
Die beiden Originaldokumente belegen die oben gegenübergestellten Referenzwerte. Der Zugversuchsbericht
enthält Rp0,2 = 310 MPa und Rm = 520 MPa. Der Imprintec-Bericht dokumentiert
13 i3D-Messpunkte und den verwendeten Gesamtmittelwert mit RIp0,2 = 287 MPa und
RIm = 494 MPa.
Danksagung: Wir danken
Element Materials Technology
für die Zurverfügungstellung der Zugversuchsdaten, die den direkten Vergleich mit den lokalen
i3D-Ergebnissen ermöglicht haben.
Dokumentationsstand: 17. Oktober 2025. Die Ergebnisse gelten für die untersuchte Probe und ersetzen keine
aufgabenspezifische Bewertung von Werkstoffzustand, Prüfzone und Messunsicherheit.
How to use i3D Testing Technology: der Ablauf in fünf Schritten
Referenz und Zielgröße festlegen: Klären, ob Dehngrenze, Zugfestigkeit, lokale Streuung oder eine vollständige plastische Kurve benötigt wird.
Prüfzone auswählen: Messpunkte auf Grundwerkstoff, Bauteilzone, Schweißnaht, Wärmeeinflusszone oder Gradient eindeutig dokumentieren.
Definierte Eindrücke setzen: Kraft, Indenter, Oberfläche und Messpunktabstand passend zum Werkstoff und zur Geometrie wählen.
Eindruck dreidimensional auswerten: Topografie und Materialaufwurf erfassen und über die inverse Modellierung in eine lokale Werkstoffantwort überführen.
Mit der Referenz vergleichen: RIp0,2, RIm und Kurvenverlauf gemeinsam mit Werkstoffzustand, Messort und Zugversuch bewerten.
Wann ist i3D sinnvoller – und wann bleibt der Zugversuch erforderlich?
01
i3D für lokale Fragen
Bauteile, kleine Zonen, Schweißnähte, Gradienten, Screening und räumliche Messraster.
02
Zugversuch als globale Referenz
Genormte Proben, globale Werkstoffkennwerte, Bruchdehnung, Einschnürung und Verhalten bis zum Bruch.
03
Kombination für belastbare Entscheidungen
Wenige Zugreferenzen verankern die Methode; viele lokale Eindrücke lösen Bauteilzonen und Streuungen auf.
Wie lassen sich die Werte fachlich sauber einordnen?
RIp0,2 und RIm sind eindruckbasierte lokale Vergleichskennwerte.
Ihre Aussage hängt unter anderem von Werkstoffzustand, Oberflächenpräparation, Korngröße, Zugänglichkeit,
Indenter, Prüflast und der Repräsentativität des Messortes ab. Deshalb sollte der Vergleich nicht allein über
eine Prozentzahl, sondern zusammen mit Messunsicherheit, Wiederholungen und der konkreten Prüfaufgabe erfolgen.
Für eine belastbare Anfrage benötigen wir Werkstoff, Zustand, Bauteilgeometrie, zugängliche Prüfzone,
gewünschte Kennwerte, vorhandene Zugreferenzen und die geplante Anzahl an Messpunkten.