Mitarbeiter bedient einen stationären Härteprüfer im Werkstofflabor
Prüfverfahren, Lastbereich, Probengeometrie und Automatisierung müssen zur realen Härteprüfaufgabe passen.

Produkte · Härteprüfer · Auswahlhilfe

Härteprüfer für Metall, Keramik und Kunststoff auswählen

Vickers, Rockwell, Brinell, Knoop oder ein mobiles System: Der passende Härteprüfer ergibt sich aus Werkstoff, Prüfziel, Norm, Probengeometrie und dem benötigten Automatisierungsgrad.

Was ist ein Härteprüfer und wie arbeitet er?

Ein Härteprüfer – auch Härteprüfgerät oder Härteprüfmaschine genannt – bestimmt, welchen Widerstand ein Werkstoff einem definierten Eindringkörper entgegensetzt. Das Gerät bringt Diamant oder Hartmetall mit einer festgelegten Prüfkraft und Einwirkzeit auf die Oberfläche. Je nach Verfahren wird danach die Größe des bleibenden Eindrucks optisch oder die Eindringtiefe messtechnisch ausgewertet.

Für eine belastbare Geräteauswahl reicht der gewünschte Härtewert allein nicht aus. Auch Probendicke, Oberflächenzustand, Gefüge, Zugänglichkeit, Prüfpunktabstand, Durchsatz und Dokumentation bestimmen, welche Maschinenkonfiguration technisch und wirtschaftlich passt.

Welcher Härteprüfer passt zu welcher Prüfaufgabe?

Die folgende Einordnung ist ein erster Filter. Die endgültige Auswahl muss immer mit der konkreten Prüfnorm, dem realen Bauteil und dem erforderlichen Messbereich abgeglichen werden.

Härteprüfer Messprinzip Typische Stärke Zu prüfen Häufige Normen
Vickers Optische Messung der Diagonalen eines Diamanteindrucks Mikro- und Kleinlasthärte, Härteverläufe, dünne Zonen Metalle, Keramik, Beschichtungen und kleine Proben ISO 6507, ASTM E92, ASTM E384
Rockwell Tiefendifferenz zwischen Vor- und Hauptlast Schnelle Routine- und Serienprüfung Vor allem metallische Werkstoffe, skalenabhängig auch weitere Materialien ISO 6508, ASTM E18
Brinell Optische Messung eines Kugelkalotteneindrucks Grobkörnige oder heterogene Werkstoffe, größere Eindrücke Gusswerkstoffe, Stähle und Nichteisenmetalle mit ausreichender Dicke ISO 6506, ASTM E10
Knoop Optische Messung eines länglichen Diamanteindrucks Spröde Werkstoffe, dünne Schichten und kleine Prüfbereiche Keramik, Beschichtungen und Mikrohärteaufgaben ISO 4545, ASTM E384
Shore / IRHD Eindringtiefenbezogene Prüfung mit federbelastetem Eindringkörper Schnelle Prüfung elastischer und polymerer Werkstoffe Gummi, Elastomere und Kunststoffe ISO 48-2, ISO 48-4, ISO 868, ASTM D1415, ASTM D2240
Mobil Verfahrensabhängig, direkt am schwer beweglichen Bauteil Vor-Ort-Prüfung großer oder fest eingebauter Komponenten Großbauteile, Anlagen, Zahnflanken oder schwer zugängliche Stellen Abhängig vom eingesetzten Verfahren

Härteprüfer nach Verfahren und Einsatzprofil

Scharf abgegrenzter Vickers-Härteeindruck in einer Metalloberfläche

Mikro- bis Makrohärte

Vickers-Härteprüfer

Für kleine Eindrücke, Härteverläufe, Schichten und differenzierte Prüfpunktmuster.

Runder Brinell-Härteeindruck auf einer metallischen Probe

Grobkörnige Werkstoffe

Brinell-Härteprüfer

Für größere repräsentative Eindrücke bei Guss, Stahl und heterogenen Gefügen.

Rockwell-Diamanteindringkörper über einer Stahlprobe für eine Tiefendifferenzmessung

Routine und Serie

Rockwell-Härteprüfer

Tiefenmessendes Verfahren für robuste, zügige und gut automatisierbare Abläufe.

Automatisierte Prüfzelle für wiederholbare Materialprüfungen

Mehrere Methoden und viele Prüfpunkte

Universal und automatisiert

Für wechselnde Lastbereiche, motorische Achsen, Prüfpunktreihen und strukturierte Datenausgabe.

Sieben Auswahlkriterien für einen Härteprüfer

  1. Werkstoff und Härtebereich: Metalle, Keramik, Beschichtungen, Kunststoffe und Elastomere erfordern unterschiedliche Verfahren und Eindringkörper.
  2. Prüfziel: Einzelwert, Härteverlauf, Schichtbewertung, Wareneingang oder Serienfreigabe führen zu unterschiedlichen Gerätekonzepten.
  3. Probengeometrie: Bauteilhöhe, Auflage, Zugänglichkeit, Krümmung und Materialdicke begrenzen den nutzbaren Prüfraum.
  4. Oberflächenvorbereitung: Optische Verfahren benötigen meist eine besser präparierte Oberfläche als robuste Tiefenmessverfahren.
  5. Norm und Messunsicherheit: Verfahren, Prüfkraft, Eindringkörper, Verifikation und Dokumentation müssen zur geforderten Regelwerkslage passen.
  6. Prüfaufkommen: Bei wiederkehrenden Reihen reduzieren motorische Tische, automatische Fokussierung und Bildauswertung den Bedienaufwand.
  7. Datenfluss: Prüfrezept, Benutzerverwaltung, Ergebnisexport und Anbindung an Labor- oder Qualitätssysteme sollten vor dem Kauf geklärt sein.

Manuell, stationär oder vollautomatisch?

Ein manueller Härteprüfer kann für wenige klar definierte Einzelmessungen ausreichen. Sobald Härteverläufe, mehrere eingebettete Proben oder wiederkehrende Prüfpläne hinzukommen, werden ein motorischer XY-Tisch, reproduzierbare Positionierung und eine automatisierte optische Auswertung wichtiger. In der Serienprüfung zählen zusätzlich Bauteilhandling, Prüfzeit, Schnittstellen und nachvollziehbare Ergebniszuordnung.

Ein Universalhärteprüfer bietet Flexibilität, wenn mehrere Verfahren auf einer Plattform wirklich regelmäßig benötigt werden. Ist die Aufgabe dagegen stabil und eindeutig, kann ein spezialisierter Rockwell-, Vickers- oder Brinell-Härteprüfer einfacher zu bedienen und günstiger im laufenden Betrieb sein.

Normen, Verifikation und Härtevergleichsplatten

Normgerechte Härteprüfung betrifft nicht nur den Namen des Verfahrens. Auch Kraftaufbringung, Eindringkörper, Messsystem, Einwirkdauer, Prüfstückanforderungen und Ergebnisangabe sind festgelegt. Vor einer Beschaffung sollte deshalb geklärt werden, welche Ausgaben der ISO-, DIN- oder ASTM-Regelwerke vertraglich gelten und welche direkte beziehungsweise indirekte Verifikation benötigt wird.

Kalibrierte Härtevergleichsplatten unterstützen die regelmäßige Kontrolle des Gesamtsystems. Sie ersetzen weder eine fachgerechte Geräteverifikation noch die Prüfung von Eindringkörper und Kraftaufbringung, helfen aber dabei, Abweichungen im laufenden Laborbetrieb früh zu erkennen.

Härteprüfer oder instrumentiertes Eindruckverfahren?

Ein klassischer Härteprüfer liefert einen normierten Härtekennwert. Wenn zusätzlich lokale Spannungs-Dehnungs-Kurven, Dehngrenzen oder Zugfestigkeiten aus kleinen Bauteilzonen benötigt werden, kann ein Eindruckverfahren nach DIN SPEC 4864 die passendere Ergänzung sein. Für Eindringkurven, E-Modul und mechanische Eigenschaften im Mikro- oder Nanobereich ist die instrumentierte Eindringprüfung relevant. Die Prüfaufgabe entscheidet – nicht die Gerätebezeichnung allein.

Häufige Fragen zur Auswahl eines Härteprüfers

Was ist ein Härteprüfer?

Ein Härteprüfer bringt einen festgelegten Eindringkörper mit definierter Kraft in Kontakt mit der Probe. Abhängig vom Verfahren wird die Größe des Eindrucks oder die Eindringtiefe ausgewertet.

Welcher Härteprüfer eignet sich für Metall?

Für Metalle sind Vickers, Rockwell und Brinell verbreitet. Werkstoffzustand, Gefüge, Dicke, Härtebereich, Oberfläche, Durchsatz und Norm entscheiden über das passende Verfahren.

Wann ist ein Universalhärteprüfer sinnvoll?

Wenn mehrere Prüfverfahren oder stark unterschiedliche Lastbereiche regelmäßig benötigt werden. Bei einer stabilen Einzelaufgabe ist ein spezialisiertes Gerät oft einfacher und wirtschaftlicher.

Wann lohnt sich die Automatisierung?

Bei Härteverläufen, vielen Prüfpunkten, wiederkehrenden Proben und hohem Dokumentationsbedarf. Motorische Positionierung und automatische Auswertung reduzieren dabei Bedienaufwand und Bedienereinfluss.

Kann ein mobiler Härteprüfer ein Laborgerät ersetzen?

Bei großen, eingebauten oder schwer beweglichen Bauteilen kann ein mobiles Verfahren entscheidend sein. Ob es die stationäre Prüfung ersetzt, hängt von Norm, Oberfläche, Geometrie und geforderter Messunsicherheit ab.

Welche Angaben helfen bei einer Geräteanfrage?

Hilfreich sind Werkstoff, erwarteter Härtebereich, Prüfziel, Norm, Probendicke und -geometrie, Anzahl der Prüfpunkte, gewünschter Automatisierungsgrad sowie Anforderungen an Auswertung und Datenexport.

Ansprechpartner

Peter Zok unterstützt bei der Einordnung von Prüfverfahren, Probengeometrie, Automatisierungsbedarf und geeigneten Prüfpfaden.

Peter Zok

Peter Zok

Applications – Materials Testing

Testawell

15 Jahre Erfahrung im Bereich Werkstoffprüfung.

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Prüfaufgabe vor der Geräteauswahl sauber eingrenzen

Werkstoff, Norm, Geometrie und Prüfaufkommen genügen für eine erste methodische Einordnung.