Vorbereiteter Schweißnahtquerschliff für die lokale mechanische Charakterisierung von Schweißgut, Wärmeeinflusszone und Grundwerkstoff. Illustration.
Mechanische Schweißnahtprüfung · Lokale Werkstoffeigenschaften
Schweißnahtprüfung: lokale Festigkeit und Spannungs-Dehnungskurven
Wie verändern sich Festigkeit und plastische Verformung über eine Schweißnaht? Testawell ermittelt mit dem Eindruckverfahren lokale Fließkurven und Vergleichskennwerte in geeigneten Bereichen von Schweißgut, Wärmeeinflusszone und Grundwerkstoff – auch wenn dort keine konventionelle Zugprobe entnommen werden kann.
Warum Schweißgut, Wärmeeinflusszone und Grundwerkstoff getrennt betrachten?
Beim Schweißen entstehen Bereiche mit unterschiedlichen thermischen Vorgeschichten. Das Schweißgut ist aufgeschmolzen und wieder erstarrt. Die Wärmeeinflusszone (WEZ) liegt daneben: Sie ist nicht aufgeschmolzen, ihr Gefüge und ihre Eigenschaften können sich durch die Wärme jedoch verändern. Weiter entfernt bleibt der unbeeinflusste Grundwerkstoff.
Diese Zonen können unterschiedlich früh plastisch nachgeben und sich bei weiterer Verformung unterschiedlich verfestigen. Ein Zugversuch quer über die gesamte Verbindung beschreibt deren gemeinsames Verhalten. Für einzelne Bereiche werden zusätzliche örtlich zugeordnete Daten benötigt. Genau hier setzt unsere lokale Schweißnahtcharakterisierung an.
Wo liegen Bereiche mit geringerer oder höherer Festigkeit als im Grundwerkstoff?
Wie unterscheiden sich die lokalen Fließkurven zwischen Naht und WEZ?
Welchen Einfluss haben geänderte Schweißparameter oder eine Wärmebehandlung?
Welche Materialunterschiede sollten in einer Bauteilberechnung berücksichtigt werden?
Was sagt eine lokale Spannungs-Dehnungskurve aus?
Eine Fließkurve beschreibt, welche Spannung für eine zunehmende bleibende, also plastische Verformung erforderlich ist. Sie zeigt damit mehr als einen einzelnen Festigkeitswert: Zwei Bereiche können ähnlich früh nachgeben, sich anschließend aber unterschiedlich stark verfestigen.
Aus der Auswertung des Eindrucks lassen sich lokale Vergleichswerte zur Dehngrenze und Zugfestigkeit ableiten. Die Vergleichsdehngrenze Rip0,2 beschreibt den modellbasierten Vergleich zur Spannung bei 0,2 % bleibender Dehnung. Die Vergleichszugfestigkeit Rim ist der entsprechende Vergleichswert zur Zugfestigkeit. Das hochgestellte „i“ kennzeichnet die Ermittlung aus dem Eindruck.
Diese Ergebnisse beruhen auf der gemessenen Eindruckgeometrie und dem verwendeten Werkstoffmodell. Die Grundlage beschreibt DIN SPEC 4864.
Wie entstehen die Kennwerte aus einem Eindruck?
Ein Eindringkörper wird kontrolliert in die vorbereitete Oberfläche gedrückt. Anschließend vermessen wir die bleibende Form dieses Prüfeindrucks optisch in 3D. In einer inversen Finite-Elemente-Auswertung werden die Parameter eines Werkstoffmodells so angepasst, dass der berechnete Eindruck zur gemessenen Form passt. Daraus wird das lokale plastische Verhalten abgeleitet.
Eine Messreihe über den Nahtquerschnitt ordnet die Ergebnisse ihren Prüfpositionen zu. So werden Unterschiede zwischen Schweißgut, WEZ und Grundwerkstoff vergleichbar. Das Eindruckverfahren nach DIN SPEC 4864 erläutert die Methode im Detail.
Wann reichen Härteprüfung oder Mikrozugversuch aus?
Ein Härteprofil zeigt Aufhärtung oder Erweichung entlang der Naht. Unter geeigneten Voraussetzungen lässt sich die Zugfestigkeit daraus abschätzen. Eine vollständige Fließkurve ergibt sich aus einer Härtezahl jedoch nicht. Southern und Mitautoren vergleichen diese Aussagegrenzen.
Prüfung
Typische Fragestellung
Zu berücksichtigen
Härteprofil
Wo ist die Verbindung härter oder weicher?
Umwertungen in Festigkeit hängen von Werkstoff und Zustand ab. Härte allein beschreibt nicht die gesamte plastische Verformung.
Mikro- oder Miniaturzugversuch
Wie verformt sich eine entnommene kleine Probe unter Zuglast?
Die Probe muss aus der gewünschten Zone hergestellt werden können. Präparation und Dehnungsmessung können aufwendig sein.
Eindruckverfahren
Wie unterscheiden sich lokale plastische Fließkurven und Vergleichskennwerte?
Keine separate Zugprobe erforderlich; Zone und Werkstoff müssen jedoch zu Prüfvolumen und Modell passen.
Miniaturzugversuche mit optischer Dehnungsmessung und Härtekarten werden beispielsweise von Hertelé und Mitautoren an einer heterogenen Schweißnaht verglichen. Für den konkreten Einsatz von Härtereihen siehe Härteprüfung an Schweißnähten.
Wie schmal darf die Wärmeeinflusszone sein?
Entscheidend ist das Materialvolumen, das beim Eindrücken mechanisch beansprucht wird. Es reicht über den sichtbaren Eindruck hinaus. Liegen darin mehrere Gefügezonen, können sie gemeinsam in das Ergebnis eingehen. Ein kleiner Messpunktabstand bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ebenso kleine Bereiche getrennt ausgewertet werden können.
Vor der Messung betrachten wir Zonenbreite, Korngröße, Eindruckabmessungen, Randabstände und Probendicke. Auch Gefügerichtung und Verhalten unter Zug und Druck müssen zum Modell passen. Besonders schmale WEZ-Bereiche beurteilen wir anhand der konkreten Probe. Den Zusammenhang zwischen Eindruckgröße und erfasstem Bereich untersuchen Okano, Takeuchi und Mochizuki.
Wie läuft eine Untersuchung bei Testawell ab?
Prüfziel festlegen: Zum Beispiel zwei Schweißparameter vergleichen, eine auffällige WEZ untersuchen oder lokale Materialdaten gewinnen.
Probe vorbereiten: Geeigneten Querschnitt auswählen und eine ebene Prüffläche herstellen. Trennen, Schleifen und gegebenenfalls Polieren werden auf Werkstoff und Messaufgabe abgestimmt.
Zonen und Positionen zuordnen: Nahtgeometrie und Gefügeübergänge betrachten, Messpfade und Wiederholungen festlegen.
Messen und auswerten: Prüfeindrücke erzeugen, ihre bleibende Form optisch in 3D erfassen und daraus die lokalen mechanischen Kennwerte auswerten. Vergleichsmessungen oder Härtereihen können die Untersuchung ergänzen.
Ergebnisse einordnen: Unterschiede, Streuung und Grenzen der Zuordnung gemeinsam mit der ursprünglichen Prüfaufgabe bewerten.
Welche Ergebnisse erhalten Sie?
Den Umfang stimmen wir vorab ab. Für eine Untersuchung entlang der Naht sind insbesondere diese Darstellungen sinnvoll:
Abbildung der Probe mit Messpositionen und Zuordnung zu den untersuchten Zonen;
lokale plastische Fließkurven mit benanntem Modell und ausgewertetem Dehnungsbereich;
Vergleichsdehngrenze und Vergleichszugfestigkeit je auswertbarer Position;
Vergleich zwischen Zonen oder Schweißzuständen, einschließlich Streuung bei Wiederholungsmessungen.
Für eine FEM-Berechnung können getrennte Materialdaten für Schweißgut, WEZ und Grundwerkstoff hilfreich sein. Dabei werden Kurventyp, Einheiten und Datenformat abgestimmt, beispielsweise wahre Spannung über plastischer Dehnung. Die Eignung des Materialmodells ist für den jeweiligen Berechnungsfall zu prüfen.
Machbarkeit und Angebot: Vor der Beauftragung prüfen wir Querschliff oder Bauteil, zugängliche Prüffläche, Zonenbreite, Probendicke, Randabstände und benötigte Wiederholungen. Das Angebot benennt anschließend Probenvorbereitung, Messpositionen, Auswertung, Berichtsumfang, Termin und Preis. Konkrete Mindestabmessungen werden erst nach dieser Prüfung zugesagt.
Nachvollziehbarer Bericht: Der vereinbarte Bericht ordnet Probe und Messpositionen eindeutig zu und dokumentiert Methode, verwendetes Werkstoffmodell, ausgewerteten Dehnungsbereich, lokale Kurven, Vergleichskennwerte und bekannte Grenzen. Benötigte Rohdaten oder ein abgestimmtes FEM-Datenformat werden vorab festgelegt.
Anwendungsbeispiel: lokale Festigkeit einer S460M-Schweißverbindung
Wie sich Schweißparameter in örtlichen Kennwerten wiederfinden, zeigt die Veröffentlichung von Anatoliy Zavdoveev, Peter Zok und weiteren Mitautoren zu S460M. Die Untersuchung verbindet die mechanische Eindruckprüfung und die Auswertung optisch in 3D vermessener Prüfeindrücke mit ergänzenden Härte- und Zugprüfungen. Verglichen werden unter anderem die Verteilungen lokaler Vergleichskennwerte über die Schweißverbindung.
Unser Anwendungsbeispiel erklärt Fragestellung, Messaufbau und Aussagen für den Prozessvergleich. Die veröffentlichten Ergebnisse beziehen sich auf die dort untersuchten Proben und Schweißbedingungen. Originalveröffentlichung, 2023; online 2022.
DIN SPEC 4864:2019-11 behandelt Fließkurven und Vergleichskennwerte aus mechanisch erzeugten Prüfeindrücken, deren optischer 3D-Vermessung und einem Werkstoffmodell. ASTM E3499-25 beschreibt die Indentation Plastometry metallischer Werkstoffe. Welche Vorschrift und Anforderungen für einen Auftrag gelten, wird vorab festgelegt; die Anwendung einer Vorschrift belegt nicht automatisch die Erfüllung der anderen.
Bruchdehnung, Zähigkeit, Rissfreiheit und Ermüdungslebensdauer erfordern andere Nachweise. Für eine Schweißverfahrensprüfung oder Bauteilabnahme bleiben die vorgeschriebenen Prüfungen maßgeblich. Die ASTM E3499 benennt insbesondere die Grenzen bei Bruch und stark richtungsabhängigen Werkstoffen.
Was benötigen wir für Ihre Anfrage?
Senden Sie Werkstoffbezeichnung, Schweißverfahren, Bauteil- oder Probendicke und möglichst ein Foto, eine Zeichnung oder einen vorhandenen Querschliff. Beschreiben Sie, welche Zone oder Prozessänderung Sie untersuchen möchten und ob die Probe getrennt und präpariert werden darf. Daraus stimmen wir Messumfang, benötigte Proben und Bericht mit Ihnen ab.
Lässt sich jede Wärmeeinflusszone getrennt prüfen?
Das hängt von Zonenbreite, Gefüge, Eindruckgröße und mechanisch beanspruchtem Materialvolumen ab. Erfasst der Eindruck mehrere Bereiche, ist das Ergebnis keiner einzelnen Zone eindeutig zuzuordnen. Wir prüfen die Eignung anhand des Bauteils oder Querschliffs und legen anschließend die Messpositionen fest.
Bleibt das Bauteil bei der Schweißnahtprüfung unbeschädigt?
Der Eindruck hinterlässt eine bleibende Verformung. Für eine Untersuchung durch den Nahtquerschnitt sind meist Trennen und metallografische Präparation erforderlich. Das Verfahren benötigt keine separate Zugprobe, ist dadurch aber nicht automatisch zerstörungsfrei.
Erhalte ich eine Spannungs-Dehnungskurve bis zum Bruch?
Das Eindruckverfahren bestimmt das plastische Materialverhalten aus einem Modell. Es liefert keine im Zugversuch gemessene Kurve bis zum Bruch und keine Bruchdehnung. Modellansatz und ausgewerteter Dehnungsbereich gehören deshalb zur Einordnung der Ergebnisse.
Ist der Prüfbericht akkreditiert?
Testawell ist derzeit nicht nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert. Benötigen Sie einen akkreditierten Bericht oder einen Nachweis für eine Schweißverfahrensprüfung, nennen Sie die Vorgaben bitte vor der Beauftragung.